Paula Schmidts jüngsten Arbeiten ist die menschliche Gestalt abhanden gekommen oder hat sich in die Linien, die sich manchmal zu Transportbahnen auswachsen, in Punkte, Spiralen, verdichtete Energiefelder und Quellpunkte zurückverwandelt, die jetzt von den Bildräumen Besitz ergriffen haben. Mich fasziniert der unerschöpflich anmutende, kraftvoll und spielerisch zugleich dargebotene Formenreichtum, der assoziativ Zusammenhänge zwischen organischer und anorganischer Natur, zwischen Mikro- und Makrokosmos erleben läßt und von einer Balance der Naturkräfte erzählt. Neuronale Netze, Schnitte durch Körpergewebe, wie durch das Mikroskop betrachtet, in einem spannungsgeladenen Moment eingefangen und fortsetztbar, scheinen auf kosmische Konstellationen zu antworten. Kopien belebter und unbelebter Natur jedoch finden sich nicht, Linien und Kreise stellen sich selbst dar und genügen in ihrem Wachstum und ihrer Begrenzung den Bildgesetzen. Farben differenzieren, schaffen Konturen und Raum.
Birgit Spanier, Weimar